Es ist Wochenende. In meinem Kopf bildet sich eine mega-lange Liste von Dingen, die ich tun könnte. Tun muss! Eigentlich.

Ich habe eine ausgeprägte Aversion gegen Dinge, die getan werden “müssen”. Also versuche ich, meinen Fokus auf das Ergebnis zu richten:

Ich möchte gerne mehr Strom von meinen Solarpanels haben -> Alles aufbauen -> Brauche noch ein Verlängerungskabel outdoor. Hab ich nicht. STOP!
Oh ne! Diese Stopp-Dinger sind tückisch. Ich kann nicht anfangen. Mit Nichts, was damit zu tun hat.

Du denkst jetzt:
Das ist doch ganz einfach! Nach Theoriexyz muss sie doch nur die Liste der Punkte aufbrechen in den kleinst möglichen nächsten Schritt und den tun. Das ist doch das Einfachste von der Welt! Was stellt die Christina aka HappyKlara sich eigentlich so an?

Nur mal so: Ich habe Abitur, Ich habe Informatik studiert mit Nebenfach technische Mechanik. Ich kann singen, Querflöte spielen, kann in meinem Häuschen alles machen und kann jedes Elektrogerät bedienen, hoste inzwischen meine Webseiten selber. Ich bin nicht unfähig, es zu tun, nur blockiert, anzufangen.

Jahrelang habe ich das nicht verstanden. Jahrelang habe ich gesucht. Endlich habe ich es für mich herausgefunden: Ich habe ADHS und Autismus. ALLES hieran passt zu mir! ENDLICH bin ich “vollständig”! Und nein, das löstjetzt keine Probleme. Das macht nicht, dass jetzt alles locker, leicht und lustig ist. Nein, es macht weiterhin keinen Spaß. Es wird dadurch allein leichter, mir selber zu verzeihen. Und dadurch mir eher eine Auszeit zuzugestehen, als früher.

Ich verzeihe mir, dass ich nicht in die Gänge komme. Ich bin sanfter zu mir, wie zu einer besten Freundin. Ich lerne zu erkennen, wann mein Gehirn so sehr rotiert, dass mein Körper nicht mehr hinterher kommt. Ich kann das noch nicht alles auflösen, aber ich nehme es endlich wahr.

Ich bin ein Mensch, der in Bildern denkt.
Für mich gibt es gefühlte hunderttausend Chrissies, die wie kleine süße bunte und neugierige Drachen aussehen. Sie haben Flügel und sausen herum, wie ein schwärmender Bienenschwarm. Das müsst Ihr mal erleben. Man kann es hören. Dies intensive Gesumme der schwärmenden Bienen.
Sie sind alle unendlich neugierig. Sie stecken ihre Nase überall hinein. Muster ziehen sie an, Farben, Bewegungen. Manchmal bleiben sie eine Weile und dann sind sie wieder unterwegs in Zeit und Raum.
Und da ist TINA. “Ihre” Tina! Die sie alle lieben, aber manchmal ziemlich vergessen. Tina ist wie ein Zentrum ohne im Zentrum zu sein. Die Chrissies hängen alle an ihr, wie an unsichtbaren Gummibändern und trotzdem sind sie frei.
Sie können nicht ohne einander.
Tina wird älter und müder. Sie hat nicht mehr so viel Kraft wie früher. Sie braucht Schlaf und Essen und Bewegung und Ruhe mehr als früher. Früher konnte sie locker mit ein paar Stunden Schlaf auskommen, aber das wird schwieriger.

Aber versuch Du mal zu schlafen mit nem Bienenschwarm. Den Rest kannst Du Dir vorstellen.

Das Leben ist nicht einfacher geworden mit meiner Entdeckung. Ich kann nicht eben mal eine ToDo-Liste machen. Konnte ich nie. Und ich habe es mit tausenden davon versucht. Aber ich weiß jetzt endlich, warum das so ist.

Ich versuche es jetzt mit der Ich-möchte-gerne-Liste oder der Ich-würde-gerne-Liste.
Sie versucht, den Chrissies eine Richtung zu geben für etwas, das am Ende der Tina gut tut. Ein Bild.

YAY! Das Bild der aufgebauten Solaranlage und des Stroms, der meine elektrischen Geräte füttert, ist ein schönes Bild. Und draußen wird es heller, ich sehe Sonne. Also fahre ich jetzt los und hole mir ein Verlängerungskabel. Und wenn ich wieder zurück bin, haben hoffentlich die Chrissies das Bild noch nicht vergessen.

Nachtrag am Montag Abend: Und? Steht die Solaranlage? Spoiler: Nein

Ich bin los gefahren und habe dann spontan nicht das gekauft, was ich geplant habe. Statt einer langen Schnur, bei der ich dann auch die individuelle Einspeisung messen könnte, habe ich eine günstige Zweier-“Außensteckdose” gekauft. Prinzipiell ist diese Lösung jetzt gerade die viel praktischere Lösung, aber jetzt rotierte mein Hirn mit den Folgen dieser Entscheidung
Ich kam nach Hause und mein Hirn war immer noch am rotieren, ob das alles richtig ist.
Die Sonne schien nicht mehr, es war kälter und ungemütlicher.
Ich habe für mich gemerkt, das sich Hirn-mäßig nicht mehr kann und habe mir eine Nickerchen-Auszeit mit den Hunden auf dem Schoß gegönnt.
… Und dann war es noch ungemütlicher und dunkel.

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